Langue pure, langue mêlée dans la Litanie des ivrognes
Sprachreinheit und Sprachmischung in der Trunckenen Litanei
modifié le: 2013-03-27
 

Les phénomènes d’hybridation ont deux fonctions chez Fischart : parodier la copia rerum et augmenter la copia verborum en éprouvant les potentialités non pas de l’allemand seul mais de la langue en soi. Le mélange des langues est ainsi un moyen de réflexion sur la langue : ce n’est pas un hasard s’il apparaît toujours corrélé avec la boisson : l’ivresse est à la source de la poésie de Fischart.

L’analyse de la Litanie des ivrognes permet de retracer une histoire de la langue vulfaire in nuce. On passe en effet longues unités syntaxiques rédigées en latin et en allemand, qui ne se mêlent pas (dialogue des langues), à un abâtardissement du latin et à des formes mixtes latino-allemandes à l’échelle du mot. Plus de règles parmi les ivrognes ! Le chapitre se clôt sur un maccaronique franco-italiano-allemand qui vient dissoudre l’alliance entre allemand et latin – image de l’émancipation des langues vulgaires européennes par rapport au latin, et de l’histoire de l’allemand comme langue pure devenant une langue mêlée. Il n’y a pas forcément là de jugement de valeur de la part de Fischart, qui éprouve ici les potentialités de l’allemand.

Sprachhybridität begegnet in Fischarts Werk, v.a. in seiner Geschichtklitterung, allerorten und kann die unterschiedlichsten Formen annehmen. Ihre Funktion besteht einerseits darin, die copia rerum im Sinne des pluralisierten Wissens der Zeit satirisch auszustellen, also diverse Wissensbestände gegeneinander zu führen, andererseits darin, die copia verborum zu mehren, also das grenzüberschreitende Potential nicht nur des Deutschen, sondern von Sprache ‚an sich‘ unter Beweis zu stellen. Sprachmischung ist also auch Medium der Sprachreflexion, und als solches begegnet es immer auch dort, wo es mit dem zentralen poetologischen Bild der Geschichtklitterung enggeführt wird, nämlich dem Trinken und Zechen: Der Rausch ist die Quelle der Dichtung schlechthin.

Bei einer genauen Lektüre des wichtigen ‚Rauschkapitels‘ der Geschichtklitterung, Von der Trunckenen Litanei, lässt sich nun beobachten, wie gleichsam eine Entwicklungsgeschichte der vernakularen Literatursprache in nuce entworfen wird. Zu Beginn des Zechgelages stehen größere deutsche und lateinische syntaktische Einheiten unvermischt nebeneinander. Die Sprachen befinden sich in einem Dialog, sind aber doch an bestimmte, ihnen eigene Formen gebunden. Daneben wird das Prinzip der Reinheit als Basis einer ‚potenten‘ Sprache propagiert. Im weiteren Verlauf des Zechgelages kommt es zunehmend zur Bastardisierung des Lateinischen, zu lateinisch-deutschen Mischbildungen auf der Ebene des Einzelwortes. Die klaren Grenzen, innerhalb derer sich der sprachliche Ausdruck kurz zuvor noch bewegte, werden dabei aufgehoben: Der Gesang der Trinker, der vorher noch gewissen Regeln folgte, ist nun ungeordnet. Höhepunkt dieser rauschhaften Hybridierungsbewegung ist gegen Ende des Kapitels dann der französisch-italienisch-deutsche Makkaronismus, der die lateinisch-deutsche Partnerschaft ablöst. Die europäischen Vernakularsprachen haben sich gewissermaßen von ihrer Bindung an das Lateinische emanzipiert. Das Deutsche bleibt trotz allem das Bezugssystem, in das die Sprachmischungen eingelassen sind. Mit dieser kleinen Entwicklungsgeschichte des Deutschen als Literatursprache von der reinen Form zur Mischung ist jedoch nicht unbedingt eine Wertung verbunden. Entgrenzung im zuletzt vernakularen, zuerst deutsch-lateinischen Hybrid ist ebenso eine Möglichkeit, das Potential des Deutschen unter Beweis zu stellen, wie die Begrenzung in Reinheit und Form.

 

 

 

 

 
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